Was passiert mit unserem Müll? Die Müllverbrennungsanlage der Hamburger Stadtreinigung

(Foto: Zero Waste Plant Power)
(Foto: Zero Waste Plant Power)

 

Hast Du Dich schon mal gefragt was eigentlich mit Deinem Müll passiert, wenn Du ihn wegwirfst?

 

Dann bist Du hier genau richtig!

 

Denn weg ist nicht gleich weg - auch wenn wir oftmals einen anderen Eindruck haben.

 

Müll ist auch nicht gleich Müll, denn er besteht aus Wertstoffen, die weiterverwertet und vor allem weiterverkauft werden können. Also beim nächsten Gang zum Mülleimer daran denken: Du hast quasi Geld in der Hand. Also überlege Dir bewusster, in welche Tonne Du es wirfst. In die Restmülltonne, wo es verbrannt wird, oder in eine der Wertstofftonnen, wo es verwertet und verkauft wird?

 

Und obwohl die Herren von der Müllabfuhr uns in dem Video von der Sendung mit der Maus schon einmal so schön erklärt haben, was sie jeden Tag so machen bleiben trotzdem noch ein paar Fragen offen. Und das Video ist ja auch schon ein paar Jahre älter, also geht es jetzt los ab in die Gegenwart.

 

Dafür gucken wir uns heute einmal an, wie man in Hamburg richtig recycelt und was dann mit dem Müll zum Beispiel in der Müllverbrennungsanlage eigentlich passiert. 

 

Die Mülltrennung bezieht sich auf die Stadt Hamburg und kann von Stadt zu Stadt extrem abweichen, also unbedingt mit Eurer zuständigen Stadtreinigung Rücksprache halten und Infos einholen, falls Ihr nicht aus Hamburg kommt!

 

Und los geht's! Wir begeben uns nun auf die Müllreise.

 

 

 

 

(Foto: Zero Waste Plant Power)
(Foto: Zero Waste Plant Power)

 

 

 

 

Müll

 

Tolles Thema, oder? Für Zero Waster und andere Kreislaufwirtschaft-Liebenden Kreaturen auf jeden Fall.

 

Also, wir Hamburger haben ja das Glück eine Menge Möglichkeiten zum Recycling zu haben und zwar folgende:

 

(Foto: Zero Waste Plant Power)
(Foto: Zero Waste Plant Power)

 

 Mülltrennung

 

  • Biotonne (grün) günstige Tonne

 

  • Gelber Sack (gelber Sack oder schwarz-gelbe Tonne) gebührenfreie Tonne

 

  • Papier/Pappe (schwarze Tonne mit blauem Deckel) gebührenfreie Tonne

 

  • Restmüll (schwarz) teure Tonne

 

  • Grüne Container (Altglas, Elektro-Kleingeräte, Altkleider etc.) kostenlose Tonne

 

 

  • Recyclinghof (Sperrmüll, Grünabfälle, Problemstoffe etc.) 
(Foto: Zero Waste Plant Power)
(Foto: Zero Waste Plant Power)
Recycling
  • Biotonne: Bioabfälle machen den größten Anteil des Hausmülls aus und können in der Biogasanlage zu Strom und hochwertigem Kompost weiterverwertet werden, der dann an die Landwirtschaft verkauft wird.
  • Obst- und Gemüsereste
  • Kaffeefilter, Tee- und Kaffeesatz
  • Gekochte und ungekochte Essensreste
  • Brot, Kuchenreste und Eierschalen
  • Kleintierstreu
  • Gartenabfälle, Topfpflanzen und Schnittblumen

 

  • Gelber Sack: Die Wertstofftonne zum Recycling von Metallen und Kunststoffen.
  • Getränke- und Milchkartons
  • Kuststoffverpackungen
  • Kunststoffgegenstände (Eimer, Spielzeug, Schüsseln)
  • Konservendosen und Tuben
  • Aulofolien- und -schalen
  • Metallgegenstände (Kochtöpfe, Pfannen, Werkzeuge)

 

  • Papier/Pappe: Altpapier ist ein wichtiger Rohstoff und schützt Wälder und Klima. 
  • Zeitungen und Zeitschriften
  • Pappe und Kartonagen
  • Kataloge, Prospekte, Werbezettel
  • Hefte und Bücher
  • Briefe, Briefumschläge und Formulare
  • Papiertüten, Geschenktüten, Wellpappe

 

  • Restmüll: Diese Tonne ist für nicht trennbare oder verwertbaren Restmüll, der verbrannt wird, da er nicht als Rohstoff weiterverwertet werden kann.
  • Staubsaugerbeutel
  • Katzenstreu
  • Windeln und Binden
  • Tapeten
  • Hygienepapier, Gummi, Leder

 

  • Grüne Container (Altglas, Elektro-Kleingeräte, Altkleider etc.). Altglas kann immer wieder eingeschmolzen und recycelt werden.
  • Marmeladen- und Honiggläser
  • Obst- und Gemüsegläser
  • Flaschen
  • Babybreigläser
  • Sekt- Wein und Saftflaschen

 

  • Recyclinghof (Sperrmüll, Grünabfälle, Problemstoffe etc.)

 

 

Und hier noch ein paar interessante Fakten in Sachen Müll:

 

  • Fast 95% des Hamburger Mülls wird verwertet
  • Alles aus Metall und Plastik kann in den gelben Sack, auch wenn es kein Verpackungsmaterial ist. Sprich wenn Ihr alte Töpfe, Plastikeimer, Backbleche oder altes Werkzeug loswerden wollt: rein damit! Die Damen und Herren der Hamburger Stadtreinigung freuen sich darüber!
  • Interessant wiederum ist auch, dass derzeit 40% des Gewichtes des Inhalts der gelben Tonne dort eigentlich gar nicht reingehört.
  • 30%-50% der gelben Tonne sind eigentlich Restmüll
  • Von Tetra Paks den Deckel abmachen und separat reinwerfen
  • Aluminiumdeckel von z.B. Joghurt nicht zerknüllen, sondern flach lassen. Und Aluminium ist der Stoff, mit dem die Stadtreinigung noch am meisten Profit machen kann.
  • Eine Faustregel für Altpapier: Alles was man mit der Hand noch zerreißen kann gehört in die Altpapiertonne.
  • Die schwarze Restmülltonne hat die höchste Gebühr
  • In Deutschland hingegen ist die Mülldeponierung von Hausmüll seit 2005 gesetzlich verboten.
  • Pappkartons in der Altpapiertonne unbedingt klein reißen!
  • Papier ist 20x recyclebar bis dann die Fasern zu kurz sind.
  • Glas ist unendlich oft recyclebar
  • Plastik kann unendlich oft gedowncycled werden aber niemals geupcycled. D.h. eine Wasserflasche wird niemals wieder eine Wasserflasche oder Lebensmittelbehälter, sondern z.B. ein Plastikeimer. 

Die Müllverwertungsanlage in der Borsigstraße


In der Müllverwertungsanlage in der Borsigstraße 6 wird ausschließlich Restmüll angeliefert und dieser landet dort direkt (ohne Sortierung!) in der Müllverbrennungsanlage. In Hamburg wird der Restmüll aus der schwarzen Tonne zur Herstellung von Fernwärme und Strom genutzt (rund 690.000 Megawattstunden (MWh) Fernwärme pro Jahr werden hier für die Hamburger Wärmeversorgung gewonnen). Der Abfallstoff der bei der Verbrennung von Restmüll in Form von Schlacke anfällt wird außerdem weiter zum Straßenbau genutzt.

 

Restmüll enthält leider immer noch viele wertvolle Rohstoffe, die weiterverwertet werden können anstatt in der Verbrennungsanlage zu landen. Ganze 70% des Restmülls sind immer noch weiter verwertbare Rohstoffe. Und wenn man sich überlegt, dass jeder Hamburger 460 kg Hausmüll und Wertstoffe im Jahr produziert, ist das eine ganz schöne Menge an Stoffen, die in Kreisläufen bleiben könnten, es aber leider nicht tun, sondern stattdessen verbrannt werden.

 

Also lohnt es sich zu recyclen und wertvolle Rohstoffe zu verwerten und im Kreislauf zu behalten, denn sie sind noch Geld wert, deshalb sind Müllverwertung und Müllvermeidung so wichtige Themen.

 

Und jeder von uns kann einen wertvollen Beitrag leisten, lasst Dir bloß von niemandem etwas anderes erzählen. Deine Alltagshandlungen haben einen direkten Einfluss auf das große Ganze und gerade als Konsumenten entscheiden wir mit jedem Kauf, wem wir unsere Stimme geben und genauso mit jedem Mal wenn wir unseren Müll wegwerfen, ob wir Ressourcen und Rohstoffe schonen und verwerten, oder Ihrem Lebenszyklus ein Ende setzten.


Also los Ihr inspirierenden Weltverbesserer, fangt an in Kreisläufen zu denken, trennt Müll und erzählt Euren Freunden und Familien davon! 

 

Wenn Du dir selbst mal ein Bild von der Müllverwertungsanlage machen willst bist Du hier genau richtig, denn:

 

Die Müllverwertungsanlage der Stadtreinigung Hamburg bietet jeden Mittwoch und Freitag um 16 Uhr super interessante kostenlose Führungen an. Mehr Infos dazu findest Du hier.

 

 

Und ich zeige Euch jetzt schon einmal was Euch auf dieser Führung alles tolles erwartet.

Die Führung beginnt im Info-Zentrum mit einer sehr interessanten Einführung in die Abläufe und den Aufbau der Müllverwertungsanlage.

 

Danach gibt es dann für jeden einen Helm und Schutzbrille und es geht ab in die Anlage!

 

Der Startpunkt ist die Ankunftshalle der Müllfahrzeuge.

 

Als erstes kommen die Müllwagen in die Ankunftshalle und fahren rückwärts an die Abladestellen heran um dann die Wagen einfach in den einzelnen Entleerungsbuchten zu parken.

 

Wenn sie dort geparkt haben entladen sie ganz einfach den Müll in die einzelnen Abteile .

 

Direkt auf der anderen Seite der Ankunftshalle befindet sich die große Müllhalle, in der der komplette Mülll erst einmal ankommt und gesammelt wird. 

 

Hier wird also nichts mehr gesichtet, sortiert oder getrennt. Was Ihr in den Restmüll schmeißt, landet direkt in dieser Halle und kommt anschließend in die Müllverbrennungsanlage.

 

Einige Highlights, die wir in der Müllhalle gesehen haben waren: komplette Toilettenbrillen und Toilettendeckel, Krücken oder zum Beispiel ganze Lampen. Dinge, die eigentlich auf den Sperrmüll gehört hätten und kostenlos auf einem der Recyclinghöfe in Hamburg abgegeben und stofflich verwertet hätten werden können.

Der Müll wird dann aus der Müllhalle nach und nach mit diesen riesigen Krangreifern auf das Laufband zum Feuer der Verbrennungsanlage verfrachtet. Dies wird alles zentral aus der Steuerungskabine mitten oben in der Müllhalle aus koordiniert und ausgeführt. 

(Foto: Zero Waste Plant Power)
(Foto: Zero Waste Plant Power)

 

 

 

 

 

 

 

Wir konnten sogar die einzelnen Geräte draußen noch hautnah erleben. Denn aus der Entfernung realisiert man gar nicht, wie groß die Krangreifer zum Beispiel wirklich sind. Und einer wiegt so viel, wie sechs Autos zusammen!

 

Nachdem der Müll im Ofen der Verbrennungsanlage war, fällt noch einiges an Gegenständen an, was nicht verbrannt ist. Diese Überreste werden über ein Förderband zu einer Sammelstelle befördert.

 

Ganz rechts sieht man die angefallene Schlacke, die dann zum Beispiel im Straßenbau weitergenutzt und verwertet wird.

 

 

 

(Foto: Zero Waste Plant Power)
(Foto: Zero Waste Plant Power)

 

 

Die Dimensionen in der Müllverwertungsanlage sind riesig, um sich zum Beispiel einmal die Größe der Lagerhalle für die Schlacke vor Augen zu führen, hier ein gutes Bild.

 

 

 

Die Führung ist wirklich klasse, weil man direkt in alle Bereiche reinschauen kann und hautnah bei der Arbeit der Hamburger Stadtreinigung live dabei ist.

 

 

 

 

 

Also alle Mann hin zur Müllverwertungsanlage Borsigstraße 6 und was lernen über unseren Restmüll.

 

 

 

Und für alle die nicht persönlich vorbeikommen können, habe ich ein kleines Video der Führung zusammengeschnitten.

Immer daran denken:

 

Nicht jeder muss alles machen, aber alle können etwas machen.

 

Und nicht missionieren, sondern inspirieren!

 

 

Alles Liebe, 

 

Deine